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31 Mar 2004, Posted by Eric Karstens in Public Broadcasting,Reviews, 0 Comments

Patrick Donges, Manuel Puppis (Hg.): Die Zukunft des öffentlichen Rundfunks (Rezension)


Patrick Donges, Manuel Puppis (Hg.): Die Zukunft des öffentlichen Rundfunks. Internationale Beiträge aus Wissenschaft und Praxis. Köln: Herbert von Halem Verlag 2003, 342 S., ISBN 3-931606-57-0, € 28,-

Interessanterweise scheint ausgerechnet der öffentliche Rundfunk, zumindest in den letzten 15 bis 20 Jahren, immer unter einem grundsätzlichen Legitimationsdruck zu stehen. Während die Existenz der kommerziellen Anbieter nirgendwo grundsätzlich in Frage gestellt wird und es immer nur darum geht, was das Privatfernsehen darf, geht die Diskussion bei den öffentlich-rechtlichen oder (in einigen Ländern) staatlichen Sendern oftmals direkt an die Substanz. An dieser Akzentverschiebung lässt sich mustergültig der Paradigmenwechsel ablesen, der die Rundfunk-Diskussion nicht nur in Deutschland bestimmt: Fernsehen und Radio werden längst fast nur noch als Wirtschafts- aber nicht mehr als Kulturgut begriffen.

Höchste Zeit also, die oft polemisch und interessengeleitet geführte Debatte auf ein aktuelles wissenschaftliches Fundament zu stellen. Und genau das haben sich Patrick Donges und Manuel Puppis mit dem hier besprochenen Band vorgenommen. Sie konstatieren – durchaus überraschend – eine „Renaissance“ des öffentlichen Rundfunks (S.10). Gerade daraus, dass seine prekäre Gratwanderung zwischen meritorischen Zielen einerseits und der Öffnung für ökonomische Denkweisen andererseits in der Praxis durchaus gelinge, habe er neuen Rückhalt und neues Selbstbewusstsein schöpfen können.

Der rote Faden, der sich durch zahlreiche der hier versammelten Aufsätze zieht, besteht in der Frage nach zukünftigen Modellen der Regulierung des nicht-kommerziellen Hörfunks und Fernsehens. Am stärksten spitzt dies Wolfgang Schulz zu, der hier augenzwinkernd von einem „Quadrilemma“ spricht (S.311ff.). Denn es gilt einen Ausgleich zwischen ökonomischen und publizistischen Interessen, Gesellschaft und Staat, Politik und Gesetzgebung zu finden, sowie sinnvolle Steuerungsmethoden für den öffentlichen Rundfunk zu etablieren. Ein komplexes Unterfangen, erst recht, weil nach wie vor kein Konsens darüber herrscht, welche gesellschaftlichen Funktionen er im dualen System haben soll.

Damit befasst sich unter anderem Helge Rossen-Stadtfeld (S. 67ff.), der dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen eine kompensatorische Aufgabe gegenüber der einseitigen Kommunikationsleistung der kommerziellen Anbieter zuschreibt. Dieser sehr nachvollziehbarer Ansatz hat jedoch im derzeitigen medienpolitischen Klima tatsächlich nur geringe Durchsetzungschancen, denn ihm fehlt eine entsprechende Lobby, vielfach sogar innerhalb der öffentlich-rechtlichen Anstalten selbst.

Ein besonderer Verdienst des Bandes besteht darin, dass er konsequent eine internationale Perspektive einnimmt. Zahlreiche Beträge beleuchten die Verhältnisse in anderen westeuropäischen Ländern – von Großbritannien und Frankreich bis hin zu kleineren Medienräumen wie der Schweiz und Belgien. Auch der Einfluss der EU findet Berücksichtigung, setzen doch gerade die Direktiven der bekannt forsch agierenden EU-Wettbewerbskommission den öffentlichen Rundfunk stark unter Druck.

Erschienen in Medienwissenschaft, Heft 1/2004, S. 121-122